Ein Gemeinschaftsmitglied lässt sich leicht an seinen äußeren Glaubenssymbolen erkennen: den Dreadlocks, die an das Haar des afrikanischen Löwen erinnern sollen, dem Bart, als sichtbares Zeichen seines Bündnisses mit Gott, und an der Mütze in den Farben der äthiopischen Nationalflagge. Die Farben Rot, Grün und Gelb sind allgegenwärtig, ob Ausflugsboote, Hütten oder Kleidung. Die Rastafari- Bewegung ist zu Beginn der 30er Jahre unter der schwarzen Bevölkerung in Jamaika entstanden, mit dem Wunsch, einen kulturellen Ursprung ganz unabhängig vom Christentum der Weißen herzuleiten und sich auf ihre „Roots“ (Wurzeln) zu besinnen. Die Rastas machen heute ca. 5% der Jamaikanischen Bevölkerung aus.

1930 wurde Ras Tafari Makonnen als Haile Selassie I zum Kaiser von Äthiopien gekrönt. Damit erfüllte sich für viele die von Macus Mosiah Carvey ausgesprochene Prophezeiung nach der Krönung eines schwarzen Königs. Seine Anhänger, die Rastafari`s, glauben daran, dass er in dirkter Linie von König Salomon von Jerusalem und Königin Makeda von Saba aus dem Hause Davids abstammt. Für sie liegt das gelobte Land in Äthiopien, wohin sie irgendwann zurückkehren werden. Ihre Glaubensgrundsätze basieren auf ausgewählten Bibeltexten, vorallem aufs alte Testament. Dem Christentum stehen sie sehr kritisch gegenüber, weil sie davon ausgehen dass die Christen die Bibel verfälscht haben, damit die Sklaven nicht erkennen, dass hier ihre eigene Geschichte geschrieben steht. Sie wollen sich nicht auf eine Auferstehung und ein Leben im Himmel vertrösten lassen. Sie glauben vielmehr an ein Himmel auf Erden, die Liebe zu Gott und den Mitmenschen im Hier und Jetzt. Sie glauben außerdem das in jedem Ich etwas göttliches lebt. Die positive Weltsicht der Rastas lässt negative Worte in ihrer Sprache nicht zu.

Das Gesellschaftssystem der Weißen wird von ihnen als sündhaftes Babylon betrachtet. Alles schlechte auf dieser Welt wird bei den Rastafaris als „Babylon“ bezeichnet. Die echten Rastas führen ein einfaches Leben: Sie lehnen geregelte Arbeit ab (Lohnarbeit ist Sklaverei), und verdienen das Geld für ihren Unterhalt meist als Künstler oder Handwerker aber auch als Fischer oder Bauer. Sie verzichten auf Kaffee, Fleisch und Alkohol. Ihre Ernährung basiert auf Gemüse, Früchten und Säften, also hauptsächlich natürliche Ernährung. Marihuana, von den Rastafarians Ganja (Heiliges Kraut) genannt, gilt als Mittel der Meditation. Allein auf Jamaika, wo es ein großes Spektrum an Glaubensgemeinschaften gibt, hat die Rastafari- Bewegung offiziell ungefähr 150.000 Anhänger – weltweit sollen es fünf Millionen sein. Rastafari’s verstehen ihr Leben als gewaltlosen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, für größere Achtung und Respekt unter den Menschen und gegenüber der Natur. Mit Hilfe der Religion bauen sie sich ein neues Selbstwertgefühl auf und versuchen sich spirituell zu emanzipieren, wozu sie auch ihr musikalischer „Messias“ Bob Marley aufforderte: „Befreie dich von der geistigen Abhängigkeit!“, verkündete er in seinem Redemption-Song